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	<title>AK WANTOK</title>
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	<description>Perspektiven Autonomer Politik</description>
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		<title>ak wantok: April 2011</title>
		<link>http://akwantok.unrast.org/2011/04/02/ak-wantok-november-2010/</link>
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		<pubDate>Sat, 02 Apr 2011 10:01:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>AK WANTOK</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach etlichen Veranstaltungen und vielen Diskussionen zum Buch haben wir uns entschlossen, die für uns zentralen Fragen der letzten Monate anhand von drei Punkten hier zusammenzufassen. 1) Gibt es die Autonomen noch bzw. warum braucht es sie denn überhaupt? Wir bleiben bei &#8230; <a href="http://akwantok.unrast.org/2011/04/02/ak-wantok-november-2010/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach etlichen Veranstaltungen und vielen Diskussionen zum Buch haben wir uns entschlossen, die für uns zentralen Fragen der letzten Monate anhand von drei Punkten hier zusammenzufassen.</p>
<p>1) Gibt es die Autonomen noch bzw. warum braucht es sie denn überhaupt?</p>
<p>Wir bleiben bei unserer Antwort aus der Einleitung: es gibt Autonome, weil es genug politische AktivistInnen gibt, die sich als solche bezeichnen bzw. dem Feld &#8220;autonomer Politik&#8221; im weitesten Sinne zurechnen. In der Mainstream-Presse lesen wir in letzter Zeit häufig von &#8220;selbsternannten Autonomen&#8221;. Aber wer soll Autonome ernennen außer sie selbst? Die Frage, &#8220;was genau&#8221; es bedeutet, Autonome/Autonomer zu sein, wird dadurch freilich nicht beantwortet. Wir denken jedoch, dass das Buch einige gemeinsame Inhalte aufzeigt, auf deren Basis weitere Diskussionen ebenso möglich sind wie Selbstbestimmungen, die erlauben, das Konzept autonome Politik wieder offensiver und selbstbewusster zu formulieren als das vielleicht eine Zeitlang der Fall war.</p>
<p>Dem hinzugefügt sei, dass der Begriff selbst natürlich nicht überbewertet werden darf. Es geht nicht um den Begriff, sondern um die Inhalte, die Perspektiven und Hoffnungen, die wir teilen. Doch sind wir der Ansicht, dass es gemeinsamer Bezugspunkte und Erkennungsmerkmale bedarf, um als gesamtgesellschaftlich wirksame Kraft auftreten zu können und wahrgenommen zu werden. Zu diesen Erkennungsmerkmalen gehören auch Namen. Warum also den Begriff aufgeben? Die Autonomen waren nicht und sind nicht der Fehler, ein besseres Konzept ist nicht in Sicht. Das hat nichts mit Romantisierung oder ausschließender Identitätspolitik zu tun. Bezeichnungen können offen und dynamisch sein, aber sie schaffen gleichzeitig Solidaritäten und gemeinsame politische Plattformen. Und sie sind im Stande, auf andere Kämpfe als die eigenen zu verweisen. Es macht einen Unterschied, ob wir uns öffentlich als &#8220;autonome AKW-GegnerInnen&#8221; oder als &#8220;AKW-GegnerInnen&#8221;, als &#8220;autonome AntifaschistInnen&#8221; oder als &#8220;AntifaschistInnen&#8221; usw. bezeichnen. Freilich muss &#8220;autonome Politik&#8221; mit Inhalten gekoppelt werden, nicht nur mit der Farbe der Kleidung. Wir werden wohl nicht umhin kommen, unsere gemeinsamen Bezugspunkte wieder deutlicher in den Vordergrund zu rücken, und dazu gehören auch kollektive Bezeichnungen. Sich solchen zu verweigern oder auf einem &#8220;Ich bin halt Ich&#8221; zu bestehen, hat seinen politischen und existentiellen Wert, erinnert jedoch gleichzeitig an eine linke Variante neoliberaler Individualisierung. Hinter ein &#8220;Gemeinsam sind wir stark!&#8221; kommen wir nicht zurück.</p>
<p>2) Was ist der Stand der Bewegung?</p>
<p>Hier gibt es für uns zwei Antworten.</p>
<p>Wenn es um die Aufrechterhaltung bzw. um die Reproduktion der autonomen Infrastruktur geht, so gibt es durchaus Anlass zur Zuversicht. Autonome Zentren und andere Orte autonomer Kultur halten sich bzw. werden neu gegründet, es entstehen immer wieder neue autonome Gruppen, es gibt etliche junge politisch aktive Leute, die autonome Politik anscheinend als ein ansprechendes Konzept wahrnehmen, es bilden sich autonome Medienprojekte usw. Stellen wir uns doch nur mal die Frage, wer die Infrastruktur für größere Events organisiert. Vielleicht ist das Netz autonomer Infrastruktur &#8220;leise&#8221;, vielleicht ist die stetige Arbeit daran oft unsichtbar, aber das Netz ist stabil. Es schafft auch kollektive Orte und Zusammenhänge, an denen und in denen wir leben.</p>
<p>Auch was die Arbeit in spezifischen Feldern betrifft, hat die autonome Bewegung einiges vorzuweisen. In Bereichen wie Antifa, Antirassismus, Geschlechterpolitik, Antimilitarismus, Anti-Atom und anderen kommt es zu großartiger Arbeit, es wurde sich ein immenses Wissen angeeignet und es gelingen immer wieder – zumindest partielle – gesellschaftliche Interventionen auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Diese Arbeit ist alles andere als wirkungslos.</p>
<p>Größere Fragezeichen tun sich auf, wo es um die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Bewegung geht. Trotz der Reproduktion der Infrastruktur und der punktuellen Interventionskraft kann die Bewegung dem zunehmenden Sozialabbau, der Militarisierung von Innen- und Außenpolitik, der Verschärfung der Grenzregimes, geschlechtspolitischen Backlashs oder der scheinbar unaufhaltsamen ökologischen Zerstörung kaum Einhalt gebieten, geschweige denn, darüber hinaus offensiv gesellschaftliche Perspektiven formulieren. Was zu der abschließenden Frage führt…</p>
<p>3) Wie geht es weiter?</p>
<p>Was die Aufrechterhaltung der autonomen Kultur betrifft, machen wir uns wenig Sorgen. Was sich dreißig Jahre lang bei allen Veränderungen gehalten hat, wird so schnell nicht verschwinden. Natürlich kann es besser oder schlechter weitergehen, und es bedarf immer wieder analytischer und strategischer Debatten, um die eigenen gesellschaftlichen Positionen zu bestimmen und punktuell intervenieren zu können, aber diese wird es geben. Die für uns entscheidenden Fragen sind: Wollen und können wir als Autonome mehr bewirken? Wollen und können wir eine gesamtgesellschaftliche wirksame Kraft darstellen? Wenn wir diese Fragen mit Ja beantworten, halten wir eine Auseinandersetzung mit den folgenden Punkten für unumgänglich:</p>
<p><em>Kollektive Identität</em></p>
<p>Dies klang bereits an. Wir denken, dass wir auf einer politischen Plattform zusammenfinden müssen, die es möglich macht, gemeinsame Inhalte zu formulieren und nach außen zu tragen. Dazu gehören auch gemeinsame Namen, Symboliken und Bezugspunkte. Aber es geht hier nicht nur darum, im politischen Auftreten Kollektivität zu vermitteln, sondern auch darum, zur Kollektivität zu finden. Was für Antirepressionsarbeit beispielsweise immer klar war, also &#8220;angeklagt ist eine, gemeint sind wir alle&#8221;, gilt auch für andere Bereiche: für den abgelehnten Antrag auf der Arge, für die Kündigung des Jobs (oder die Weiterbeschäftigung, je nach dem), für den Stress in der Schule, für die konkrete Festnahmesituation, die Razzia des Lieblings- (oder auch nicht Lieblings-) Buchladens. Das Wissen um kollektive Solidarität jenseits der persönlichen Sympathie schafft die Grundlage für das gute Leben und das entschlossene Handeln.</p>
<p><em>Visionen</em></p>
<p>Wir müssen in der Lage sein, alternative gesellschaftliche Perspektiven zu formulieren. Menschen müssen sehen, dass jenseits des Protests tatsächlich andere Lebensweisen möglich sind. Bei der Frage nach den gesellschaftlichen Alternativen immer auf die &#8220;Notwendigkeit freier Entwicklung&#8221; zu verweisen, mag theoretisch redlich sein, gleichzeitig jedoch eine praktische Ausflucht darstellen. Natürlich geht es nicht um Masterpläne, aber um greifbare Ideen, für die zumindest ansatzweise auch Beispiele existieren müssen. Ideen bringen nicht viel, wenn sie in theoretische Pamphlete verpackt werden, die von nur wenigen verstanden werden. Also ganz praktisch: Was heißt Selbstbestimmung? Wie kann mensch das gesellschaftlich breit denken? Wie können sich autonome Stadtviertel organisieren? Was meinen wir mit Solidarität? Statt Staatlichkeit einfach Nicht-Staatlichkeit zu fordern, statt Konkurrenz Solidarität und statt Normierung Differenzdenken wird nicht reichen. Es geht darum, zu formulieren, was es zu gewinnen gibt.</p>
<p>Vielleicht haben wir zu oft Angst davor, uns lächerlich zu machen, wenn wir offen formulieren, was wir wollen, wenn wir unsere Wünsche, Bedürfnisse und Visionen aussprechen – kein Wunder in einer Welt, in der Alternativlosigkeit als politikleitendes Prinzip verkauft wird. Aber dann doch lieber sich riskieren, als das Ende der Geschichte selbst zu schlucken!</p>
<p>An dieser Stelle ist selbstkritisch anzumerken, dass wir uns als HerausgeberInnen von <em>Perspektiven autonomer Politik</em> ebenfalls nicht riskiert haben. Wir haben es letztlich nicht gewagt, offensive Vorschläge für die Zukunft autonomer Politik zu formulieren. Die Sorge, autonome Grundsätze zu verletzen und als aufdringlich zu erscheinen, war zu groß. Die Kritik, dass das Buch dem Titel in dieser Hinsicht nicht gerecht wird, ist angekommen. Dies hat zu einigen Diskussionen innerhalb des ak wantok geführt, die sich auch fortsetzen werden. Ob wir irgendwann ein offensiver formuliertes Thesenpapier nachlegen, wird sich zeigen.</p>
<p><em>Kommunikationskultur</em></p>
<p>Eine solidarische Kommunikationskultur scheint uns wichtiger denn je. Darunter verstehen wir neben einem grundlegenden Respekt für GenossInnen, der in unserem Kommunikationsverhalten zum Ausdruck kommt, Differenz als Anregung zur kollektiven Weiterentwicklung zu begreifen, anstatt als Anlass, sich in Kleingruppen zu isolieren. Auch in kontroversen Diskussionen dürfen GenossInnen nicht verkannt oder überrannt werden. Wir sollten versuchen, risikoarme Rederäume zu schaffen, in denen auch die sich trauen, offen zu sprechen, denen das schwerer fällt. Die harten Geschütze sollten wir uns für unsere tatsächlichen politischen GegnerInnen sparen, das heißt für jene, von denen wir uns Zusammenarbeit in keiner Form erhoffen oder erwünschen.Wenn wir am härtesten gegen jene in den eigenen Reihen zuschlagen, bestätigen wir nur die Auffassung, dass wir nicht in der Lage sind, dort zuzuschlagen, wo es wirklich zählt.</p>
<p>Ein solidarisches Kommunikationsverhalten würde unmittelbar zu einer Verbesserung führen, was einige grundlegende Probleme der autonomen Bewegung betrifft: 1. Ideen und Statements würden vielleicht offener formuliert. Es käme zu mehr Austausch und Diskussion. 2. Es ließe sich um vieles besser mit Konflikten umgehen. Diese könnten &#8220;verhandelt&#8221; werden, statt entweder zu Spaltungen zu führen oder totgeschwiegen zu werden. 3. Unsere Positionen ließen sich auch nach außen besser vermitteln. 4. Wir könnten auch mal die Ansichten derer hören, die keine großen Reden schwingen oder dicken Bücher schreiben.</p>
<p><em>Vernetzung</em></p>
<p>&#8220;Organisation&#8221; ist ein Reizwort in autonomen Kreisen und wir vermeiden es hier bewusst. Wir sind der Überzeugung, dass autonome Politik keiner <em>formalen</em> Organisationsstrukturen bedarf. Gleichzeitig kann für uns die Notwendigkeit eines regelmäßigen Austauschs zwischen autonomen AktivistInnen und Gruppen nicht stark genug betont werden – geographisch ebenso wie thematisch. Ob wir das nun &#8220;Organisierung&#8221; oder &#8220;Vernetzung&#8221; nennen, ist gleich. Wichtig ist, dass wir Prinzipien der Vermittlung von unten nach oben und Ansprüche der Vermeidung von Zentralismus und Hierarchien nicht aufgeben bzw. dass wir keine elitären und avantgardistischen Strukturen herausbilden. Politikformen müssen spezifisch ausgearbeitet werden, nicht zentral. Die Pflege informeller Kontakte ist dabei ein Teil, aber er scheint uns nicht zu genügen. Um breiten Austausch zu ermöglichen bedarf es ebenso der Organisation regelmäßiger Diskussionsabende, Vernetzungstreffen, Camps usw. Die momentan in verschiedenen Städten und Regionen der deutschsprachigen Länder initiierten Autonomen Vollversammlungen sind für uns ebenso ein wichtiger Schritt in diese Richtung wie bundesweite Autonome Kongresse.</p>
<p><em>Verbindlichkeit</em></p>
<p>Es ist nicht unbedingt leicht, Verbindlichkeit einzufordern und dabei sympathisch zu wirken. Nichtsdestotrotz scheint uns diese Frage wesentlich. Ein lässig-lockerer Umgang mit Öffnungszeiten, Abmachungen und Arbeitsaufteilungen gehört für viele zum Charme der autonomen Szene und das soll auch niemandem genommen werden. Entsprechende Räume kann und wird es weiterhin geben. Aber für eine kontinuierliche und effektive politische Arbeit, und damit auch für gesamtgesellschaftliches Interventionspotential, sind diese Bedürfnisse keine gute Voraussetzung. Sie lassen vieles übersehen und ungeschehen, Möglichkeiten werden verpasst, Bündnispartner werden verloren usw. Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein sind revolutionäre Werte, an denen auch Autonome nicht vorbeikommen.</p>
<p>Wie gesagt, wir hoffen, mit diesem Blog, autonome Diskussionen weiter vorantreiben zu können. Je mehr GenossInnen sich an diesen Diskussionen beteiligen, desto reicher werden sie. Wir laden alle herzlich ein, Stellungnahmen, Kommentare und Kritikpunkte hier zu hinterlassen oder an kontakt[at]unrast-verlag.de zu schicken.</p>
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